01-06-2014 – Faszination Erde

Es ist der 01. Juni.. Ist das nicht ein besonderer Tag? Kindertag oder so? Wir haben keine Kinder, also darf uns der Wecker auch gern schon um 05:20Uhr wecken. Was dann geschah, hat irgendwie etwas von Urlaub. Wir bewegen den Wecker zur Ruhe und schlafen weiter. Warum? Weil uns das Wetter unmissverständlich klar machte, dass ein Spaziergang in der Aussenwelt auf jeden Fall nass und möglicherweise sogar kalt werden würde.

So steht es sich doch mit links auf..
So steht es sich doch mit links auf..

Gegen 7 wird es mir allerdings zu bunt. Wir sind doch hier nicht zum ausschlafen hergefahren. Es warten Geysire, tödliche Tiere und grüne Bäume auf uns alte Entdecker. Wir düsen also entspannt in Richtung ‚Old Faithful‘, den größten und tollsten der Geysirfamily. Das Wetter um uns herum.. Naja.. Die Vorhersage lautete ‚Mostly Clear‘, was übersetzt in meinen Ohren heißt, Wolkenlos mit einer Chance auf Schatten. Die Realität gab sich aber sehr bedeckt und man hatte die Vorahnung, dass auch der Regen nicht weit weg war.
Aber wir haben ja die gute Laune im Gepäck. Kaum geparkt, hüpfen wir vergnüglich zum Geysir, vorbei am Geysirhotel, in dem man sicher einen Kaffee oder ein Frühstück erhalten hätte, denn wir wollten ja unbedingt den Geysir sehen. Am Parkplatz stand ein Schild mit den geplanten Ausbruchszeiten und wir waren ganz schön knappi dran. Am dampfenden Riesen angekommen, starren wir in großer Erwartung auf ein Erdloch.

Es dampft schon mal.

Wir warten also.. Und wir warten.. Um uns herum warten viele Leute und es bleibt Zeit zur Betrachtung der Umgebung. Piff.. Oh, geht’s los?! Nöö.. Nur ein Geysirfurz.. Und wir warten weiter.. Weißer Rauch steigt auf. Wir haben einen Papst?! Wir warten weiter..

Nach 15min reicht es uns fürs Erste und wir ziehen uns in das wärmende Etablisment am Rande des rund angelegten Geysirparks zurück. Ein feines Ambiente und warmer Kaffee bringen uns die Sonne zurück in unsere ausgekühlten Herzen. Bumms.. Was passiert, das Ding bricht aus.. Wir also wieder raus. Booah.. Ist das viel Dampf. Und nochmehr Dampf.. Ohne Geysire in gänze zu beleidigen, aber da kommt ja wirklich nur heißes Wasser raus und das dampft dann?! Zu allem Überfluß fängt es jetz auch noch an zu regnen?! Hier kann doch etwas nicht stimmen. Wir flitzen also in einem Affenzahn wieder in die Wärme und ergatterten dann auch noch einen ultrabequemen Platz in der zweiten Reihe.

Das Gebäude war nämlich mit furchtbar großen Fenstern ausgestattet, durch die konnte man prima auf den Geysir und auch den Regen gucken. Toll..

Und die hier.. Viel besser als jeder Geysir auf der ganzen Welt.. So..
Und die hier.. Viel besser als jeder Geysir auf der ganzen Welt.. So..

Das Ganze, also nicht der Geysir, der war schnell fertig mit spucken, hat dann bis um zehn gedauert. Nun gut, Kaffee und Kleinigkeiten haben wir ausreichend gebunkert, jetzt kann das Abenteuer der Geysire starten. Der Regen begleitete uns noch ein wenig, wenn auch nur noch Tropfenweise.. Beinahe könnte man denken, er spuckt einen herablassend an.. Aber es ist ja nur Regen. Wir also auf den Wegen im ‚Upper Geysir Basin‘ und dem ‚Biscuit Basin‘. Es war ein vorgefertigter Rundweg und wir teilten diesen Weg mit allen anderen. Was in der Regel nicht ganz unserer Art der Entdeckung entspricht, war dieses mal völlig in Ordnung. Aufschrei der Freude! Eine Sonnenlücke..!! Depression!! Sie war kurz und nun ist es wieder windig. Dafür machen die kleinen stinkenden Löcher im Boden richtig was her. Mal nur Geblubber, dann gerne auch mit ulkig aussehenden Ablagerungen drum herum und auch die ersten Farbspiele verzückten uns.

Lässt de hier nen Stein fallen, kommt der garantiert in China wieder raus.. Oder?
Lässt de hier nen Stein fallen, kommt der garantiert in China wieder raus.. Oder?

Wir folgen also den anderen Menschen und geraten alsbald auch an unser erstes Erdloch das nicht mit Wasserdruck zu verzaubern weiß, sondern mit regenbogenfarbenen Ablagerungen, die wiederum den Blick in den Mittelpunkt der Erde freigeben. Da dass Wasser darin ziemlich heiß ist, denke ich, dass die Annahme mit dem Mittelpunkt der Erde gar nicht soweit hergeholt ist.

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Mein Lieblingswegweiser
Mein Lieblingswegweiser

Der Weg führte uns und auch all die anderen zu einem weiteren Erdloch. Dieses Mal jedoch handelte es sich um eines, dass gewissermaßen auf Knopfdruck und eng gesteckten Fahrplan herausposaunt, was in ihm steckt. Wir verschnauften, weil der Weg ja auch so anstrengend ist, eine Weile am Daisy Geysir und während sich die Meute über den Dampf und die Dusche freuten, freute ich mich mehr über die Menschen, wie sich von diesem Schauspiel in den Bann ziehen ließen.

Und unsere Interpretation der Faszination
Und unsere Interpretation der Faszination
Von wegen Danger.. Wenn ein fettes Bison auf diesem dünnen Boden noch kacken kann, hält uns das doch auch..
Von wegen Danger.. Wenn ein fettes Bison auf diesem dünnen Boden noch kacken kann, hält uns das doch auch..

Auf jeden Fall führt der offizielle Trail (Wanderweg) bis zu einem der farbenprächtigsten Erdlöcher, dass ich je gesehen habe und in meiner langen Zeit im Yellowstone National Park habe ich schon viele bunte und stinkende Löcher gesehen. Die Sonne, sie gesellt sich auch dazu und beschert uns mit Ihrer Wärme ein noch fetteres Grinsen. Da man in diesem Land schnell ist, was das anquatschen angeht, wissen wir auch schon kurze zeit später, dass dieses Loch, auch Pool genannt, vor 20Jahren noch viel viel viel schöner war. Aha, vor zwanzig Jahren waren Sie also auch schon mal hier?! Ihre Frau war da bestimmt auch noch viel hübscher oder? Elende Angeber.. Damit war der Austausch von Worten erledigt. Ach ja, waren Deutsche.. Aber dieses Erdloch war wirklich wunderbar und viel zu kostbar, um es mit Worten zu zerreden.

Während sich Tina noch über den Morning Glory Pool beliest
Während sich Tina noch über den Morning Glory Pool beliest

Von hier aus ging es auf eigene Faust weiter und unser Reiseführer erwähnte nur lapidar, kann man machen, gibt aber bestimmt besseres. Einen großen Vorteil hatte unser Alleingang, wir waren ab sofort so gut wie unter uns. Und die sehenswerten Sachen waren tatsächlich nicht minder spannend, wenn nicht sogar spannender, weil se gar nicht mehr abgesperrt waren und man richtig nahe an die Löcher herankam. Natürlich standen überall Schilder, die dies für eine nicht so gute Idee hielten, weil die Erdkruste an diesen Stellen besonders dünn wäre, aber ich dachte, wo Elche hinscheißen können, kann ich auch stehen.

Nebel des Grauens
Nebel des Grauens
Frisur, made bei Artemisia Geysir
Frisur, made bei Geysir
Näher ran..? Lieber nicht..
Näher ran..? Lieber nicht..
Dieser Park ist einfach der totale Wahnsinn
Dieser Park ist einfach der totale Wahnsinn
Und abseits der Wege ist man tatsächlich unter sich
Und abseits der Wege ist man tatsächlich unter sich
Außer meiner Begleitung natürlich, auch wenn es hier ein wenig gruselig erscheinen mag, wie sich Tina im Abseits hält..
Außer meiner Begleitung natürlich, auch wenn es hier ein wenig gruselig erscheinen mag, wie sich Tina im Abseits hält..

Dann geschah es. Wir krauchen gerade an einem Pool herum, als Tina bemerkt, dass auf der Straße, die wiederum gar nicht weit weg von uns verläuft und zum Old Faithful führt, in einiger Entfernung eine Autotraube entstanden ist. Eine solche Herde von Fahrzeugen deutet in der Regel immer auf eine Sehenswürdigkeit in der Flora und Fauna hin, die der Einheimische aus dem Auto heraus noch nie gesehen hat. Wir versuchen also dem Blick der Leute zu folgen und das Geheimnis auch zu entdecken. Siehe da, wir erblicken es. Ein Prachtexemplar von einem Bären. Da kann man die Einheimischen aber verstehen. Nicht verstehen kann ich allerdings die Laufrichtung des Bären. Er läuft in unsere Richtung.. Soweit so gut, wenige Sekunden später verlieren wir ihn aus dem Blick, da wir auf eine Anhöhe stehen und er im Blickschatten zu ihren Füßen verschwunden ist. Nun passiert zum zweiten Mal etwas ungewöhnliches. Ich höre, wie Tina schon die ganze Zeit meint ‚Komm schon, wir müssen hier weg!! Der frisst uns auf!! Wir müssen hier wirklich weg!! Nur jetzt, verstehe ich auf einmal, was sie sagt und mir wird bang. Dann ein kurzer Aufschrei.. ‚Da.. Da war er. Oh Gott, wir müssen hiiiierrr weeeg!!‘ Ich hatte den Blick schon Richtung Straße gerichtet und Tina meinte, der Bäre wäre kurz hinter uns an der Baumgrenze vorbeigezischt. So ganz traue ich der Sache nicht und beschleunige meinen Schritt Richtung Straße. Tina überholt mich und erreicht das Ziel weit vor mir.. An der Straße angekommen, denke auch ich, dass der süße Knuddelbär an uns vorbei ist, denn dort wartet die Herde Autos und versucht den Bären zu orten. Einer stürmt aus seinem Familyvan auf mich zu und sucht nach der Bestätigung, dass der Bär hier grad vorbei ist. Ich meine, ja und er flitzt in den Wald, bewaffnet mit Kamera und kurzen Hosen. Seinen Wagen läßt er, samt Familie, an der sicheren Straße stehen. Offen selbstverständlich.. Und selbst in meinem Kopf formt sich ein hierfür passendes Adjektiv. Beknackt ist das, jawohl..

Auf jeden Fall ein strammes Abenteuer, welches uns dann auch veranlasst, die Straßenseite zu wechseln und einen anderen, offeneren Weg zurück zum Auto zu suchen. Auf der anderen Seite der Straße verläuft ein Flüßchen und man erkennt, wie das Blubberwasser in den Bach läuft. Da es dass wohl jeden Tag macht, hinterläßt der Einfluss deutlich bunte Spuren am Ufer und in meinem Kopf den Eindruck, Gesund kann das nicht sein, aber es sieht toll aus.

der sogenannte Wall Pool und unser Freund 'schlechtes Wetter' zauberten diesen Anblick
der sogenannte Wall Pool und unser Freund ’schlechtes Wetter‘ zauberten diesen Anblick

Und der Gem Pool machte uns ebenfalls seine Aufwartung..

Auch ohne Geblubber und Rauch hat es der Park in sich
Auch ohne Geblubber und Rauch hat es der Park in sich
Und überflutet einen geradezu mit Reizen
Und überflutet einen geradezu mit Reizen
Aber auf eine so unaufdringliche Art
Aber auf eine so unaufdringliche Art
Das man gern vom Großen..
Das man gern vom Großen..
ins Kleine hinabtaucht
ins Kleine hinabtaucht
Obwohl die gegend nicht unbedingt gesund zu sein scheint
Obwohl die gegend nicht unbedingt gesund zu sein scheint
Aber eben betörend schön
Aber eben betörend schön

Während unserer entspannenden Beruhigungswanderung entdecke ich in einiger Entfernung ein Fellknäuel auf einem großen Stein. Das Tagebuch sagt, ich hätte etwas in folgender Form gesagt: ‚Oh, guck mal, das sieht aus wie eine Katze.‘. Tina meint: ‚Ja klar, in typischem Grizzlybraun?! Nee, lass mal, dass ist bestimmt ne ‚kannichnichtlesen‘ Grizzlymutti, (Ist nämlich gerade Jungzeit und vor so Bärenmuttis wird gerade besonders gewarnt (wie im echten Leben)) die lockt uns bestimmt nur mit ihren Jungen an, um uns dann zu verfüttern.‘. Alles klar, machen wir halt nen Bogen um das Knäuel. Nach diesem Umweg sind wir erst gegen drei wieder am Auto. Zur Belohnung warten im Auto aber Sandwiches.. Yippie.. Die wir noch schnell selber schmieren müssen. Ämmm buuh.. Nach der Stärkung lockt uns ein Weg, den wir heute Vormittag verschmäht haben, hat ja auch geregnet. Aber jetzt, jetzt locken die Geysire im ‚Upper Basin‘. Kaum auf dem Weg, zieht es sich zu. War ja irgendwie klar. Dann befinden wir uns plötzlich wieder auf dem Weg hinab und es beginnt zu Regnen. Geysire? Wo waren die hier eigentlich? Sind wir echt voll dran vorbei gelaufen, abgesehen von ein paar brubbelnden Erdlöcher. Egal, so ne Wasserspucklöcher sind für heute eh genug und das Wetter hört ja auch auf mitzuspielen.

Wir also unten in den Shop. Haben ja all unsere Vorräte in die Sandwiches gesteckt. Wir brauchen Nachschub für Abendbrot und Frühstück. Beim Bezahlen werde ich angequatscht. Nicht von einer bezaubernden Jeannie (denn die schläft ja heute Nacht wieder mit in meinem Zelt), sondern von nem alten Knacker der auch noch Geld von mir will. Ich kann also nicht fliehen, denn bezahlen müssen wir ja. Er hat als Kind Zeit in Deutschland gelebt. Aha.. Er findet Germany fantastisch. SoSo.. Und mein Englisch findet er auch toll. So, das reicht! Ich bemühe mich doch wirklich. Im ernst.. Wir bedanken uns höflich für die Plauderei und ziehen beleidigt ab, oder besser ich, denn meine Jeannie finds toll. Draußen? Da regnets.. Wir fahren mit dem Wagen zu nächsten ‚MusstDuUnbedingtSehen‘ Punkt. Dort angekommen regnet es immernoch ein wenig. Ich öffne Chips und versuche ein Kinogefühl mit 3D Effekt zu erzeugen. Das Gefühl bleibt bei 2D hängen. Mist. Nächster Versuch der Ablenkung. Wir durchsuchen die englische Anleitung für das Auto nach Hinweisen darauf, wie man das Hupen abstellen kann, welches der Wagen jedesmal beim Zusperren macht. Ebenfalls erfolglos.. Ein Blick nach draußen verrät aber was anderes. Der Regen ist so schwach geworden, dass man sich nicht mehr drücken kann. Es riecht mächtig nach einem Hinterhalt. Wir begeben uns auf den Rundgang und keine 5 Minuten vom Auto entfernt, schnappt die Falle zu. Es beginnt zu schütten. Ich raune ein Danke zum Himmel und wir eilen zum Wagen. Fahren zum Midway und Lower Basins. Dort stehen 5 Reisebusse. Wir steigen nicht aus, sondern fahren direkt weiter zum Firehole Drive. Ein Rundweg, an dessen Ränder immer wieder lustige Blubberlöcher auftauchen. Fein anzusehen.

Tatsächlich reicht es mittlerweile mit Blubberlöchern und hier verrät das Bild nicht, dass der Wagen nicht einmal einen Meter hinter mir steht..
Tatsächlich reicht es mittlerweile mit Blubberlöchern und hier verrät das Bild nicht, dass der Wagen nicht einmal einen Meter hinter mir steht..
Aber der Park zeigt einem dann doch, dass es auch noch anders geht
Aber der Park zeigt einem dann doch, dass es auch noch anders geht
Und drängt einen dann doch wieder aus dem Wagen
Und drängt einen dann doch wieder aus dem Wagen
Auch wenn es nur ein kleines Erdloch ist..
Auch wenn es nur ein kleines Erdloch ist..

Anschließend probieren wir noch einmal das Midway Basin und ich finde keine weiteren Aufzeichnungen dazu. War es toll? Ja, war es, sagen jedenfalls die Bilder.

Die Schönheit dieses Basins blieb heute allerdings hinter dickem Damp verborgen
Die Schönheit dieses Basins blieb heute allerdings hinter dickem Damp verborgen
Also ab zum Zelt
Also ab zum Zelt

Na jedenfalls fahren wir danach zum Zeltplatz und verlängern unseren Aufenthalt spontan um eine Nacht. Denn so wirklich wissen wir gerade nicht, wo der Tag, besser gesagt die Zeit, geblieben ist. Am Zelt ergötzen wir uns dann an frischen Burgern und gemachten Fotos.

Und unsere kleine Nachtwanderung.. Sicher mit einem Haufen Bären und Bison um uns herum.. Aber die können wir ja zum Glück nicht sehen
Und unsere kleine Nachtwanderung.. Sicher mit einem Haufen Bären und Bison um uns herum.. Aber die können wir ja zum Glück nicht sehen

Bei Einbruch der Dunkelheit schleichen wir uns noch einmal in Richtung Wasser. Denke, das man feine Langzeitbelichtungsbilder vom Flussdelta machen kann und vergesse kurzzeitig, dass man auch dafür noch ein klein wenig Licht braucht. Die Nächte hier sind aber dermaßen dunkel, dass meine kleine Tina ganz schnell wieder zum Zelt drängt, Stichwort gruselig und wir um 11 ausgelutscht und zufrieden einschlafen.

31-05-2014 – Erwachen in der Hölle

Warum nenne ich diesen Beitrag bloß so? Wir sind doch im Urlaub und Urlaub ist immer toll.. Immer?? Nachdem wir gestern in die Schlafsäcke gestiegen sind, sah alles nach einer geruhsamen Nacht aus. Aber die Nacht wurde jäh unterbrochen.. Zum einen mussten wir beide in finsterer Nacht auf’s Klo (Scheiß Bier) und zum anderen war es arschkalt. Ach, was sage ich.. Es müssen Minusgrade geherrscht haben. Nachdem wir den Toilettengang gemeistert hatten, war an ein erneutes Einschlafen kaum mehr zu denken. Nase, Füße und bei mir auch der Hintern wurden einfach nicht mehr warm. Mein Gesicht fühlte sich an, als würde es einfrieren.. Bibber Bibber.. Um halb fünf erlöste uns der Wecker, was die Angelegenheit nicht in Gänze angenehmer machte, denn die zur Verfügung stehen Klamotten waren natürlich auch durchgefroren. Als wir uns aus dem Zelt gepellt hatten und einen Blick nach hinten warfen, durften wir auch feststellen, das unser Zelt mit einer leichten Eisschicht überzogen war. Ebenso mussten wir den Wagen freikratzen.. Ach ja, womit eigentlich? Wir entscheiden uns für den Pfannenwender und dick gefaltetes Papier. Ist ja nicht unsere Frontscheibe. Wir lassen den Wagen an und rollen bedächtig in Richtung See. Ich hoffe auf einen zauberhaften Sonnenaufgang und darauf, dass sich der Wagen ganz schnell aufheizt.

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Und glaubt mir, es war arschkalt
Und glaubt mir, es war arschkalt
Aber wunderschön..
Aber wunderschön..

Das Erscheinen der Sonne am Horizont über diesem spiegelglatten Wasser entschädigt für den Augenblick und ich mache mich in die Kälte. Todesmutig lasse ich die Frau im mittlerweile warmen Wagen zurück. Nach ungefähr zehn Minuten rette ich mich allerdings auch wieder ins Auto, denn ich kann die Kamera nicht mehr korrekt bedienen und spüre meine Finger nicht mehr. Nichtsdestotrotz, ein schöner Morgen. Wir fahren ein paar Meilen und treten aus dem Warmen heraus zu unserer ersten kleinen Wanderung . Die Wanderung macht Spaß und langsam werde ich auch wieder warm. Sorgen macht mir eine andere Sache. Es zieht sich wirklich rasant zu und beginnt tatsächlich zu regnen. Die spärlichen Tropfen reißen mein leicht ins positive tendierende Gedankengeflecht wieder ein und der Tag wird schlagartig wieder mies. Wir flüchten ins Auto und fahren zum Lake Yellowstone Hotel.

Frühstück.. Warm.. Und trocken! Ein Traum..
Frühstück.. Warm.. Und trocken! Ein Traum..

Das Hotel thront imposant am Rande des Sees und im Inneren ist es warm. Beim staunenden Durchschreiten dieses Palastes blitzt mir der Gedanke durch den Kopf, dass man die nächste Nacht doch auch hier verbringen könnte. Der Gedanke wird aber schnell durch eine Oase des Glücks verdrängt. Im hinteren Teil des Hotels gibt es noch Frühstück und obwohl wir nicht gerade nach der Klientel des Hotels aussehen, dürfen wir uns dazusetzen. Gut.. Pro Nase waren 30$ Schmiergeld fällig, aber in unserer oder besser gesagt, meiner Situation durchaus vertretbar, denn es war warm, das Frühstück lecker und wir konnten durch die großen Panoramafenster bestens auf den immer stärker werdenden und mit Hagel durchsetzten Regen blicken. Nachdem wir uns ordentlich überfressen und bezahlt haben, schleichen wir zur Rezeption. Dort steht ein Aufsteller mit den Wetteraussichten der nächsten Tage.. Meine zahlreichen Rückenhaare stellen sich auf.. Es soll nicht besser werden, sogar nochmal kälter in der Nacht. Da das Hotel auf dem Gelände auch sogenannte Cabins hat und diese deutlich günstiger sind, als das Hotel selber, beschließe ich zu fragen. Aber, wie soll es auch anders sein. Die Cabins sind ausgebucht, aber wir könnten für 360$ im Hotel schlafen.. Paah.. In Gedanken sterbe ich zwar den Kältetod in der nächsten Nacht, aber dann wenigstens 360$ reicher.
Wir befragen unseren Parkplan und schlagen uns zum nächstgelegenen Parkshop durch. Ich habe die Hoffnung, dass ich mich dort für weit weniger Kohle mit einem neuen Schlafsack ausstatten kann. Aber die Hoffnung wird jäh zerstört und ich, ich kann es nicht anders ausdrücken, falle in ein tiefes Stimmungsloch. Draußen tröpfelt es immernoch und ich habe keine Ahnung, wie ich die nächste Nacht überstehen soll.. Weichei oder?! (Anmerkung der Redaktion: So hart würde ich das nicht ausdrücken, aber… Wo ist das übliche „Erwache und Lache“, dieses morgendliche „Mir scheint die Sonne derart aus dem Arsch, dass ich Tina damit zu noch so unmenschlichen Zeiten aus dem Bett vertreiben muss“?!) Wir fahren nochmal zum Hotel und fragen, ob es irgendwo ein Zimmer unter 100$ gibt. Nöö.. Aber für 174$ könnte man irgendwo am Rand des Parks schlafen. Alles klar, kann man im Hinterkopf behalten, wenn man sich abzocken lassen will. Im Tagebuch steht nun ein verwirrender Satz. Ich finde mich wohl mit noch einer Nacht im Zelt ab und wir fahren zum Zeltplatz.. Echt? Ich habe also mit meiner Zukunft abgeschlossen? (Anmerkung der Redaktion: Dafür musste ich Mirko versprechen, dass wir ihm noch einen dickeren Schlafsack kaufen würden und – es war eindeutig ein krasser Rollentausch – ich musste Mirko zu etwas Abenteuer animieren und versuchen, irgendwie seine Laune zu verbessern – in all den Jahren ein seltenes Unterfangen.) Danach beschreibt Tina, das wohl die Sonne mal kurz hinter den dicken Wolke hervorgeschaut hat. Am Zeltplatz angekommen reservieren wir erstmal auf einem anderen Campground, dem Madison Campground. Der liegt 300 Fuss tiefer, aber im Augenblick kann ich noch nicht glauben, dass es dort wärmer sein könnte. Wir bauen unser Zelt ab, es ist tatsächlich trocken.

Mittlerweile ist es dreiviertel elf und wir machen uns an das Erkunden des Parks. Unsere nächste Station ist der Artists Point im Grand Canyon des Parks. Der Weg zum Ausgangspunkt des kleinen Wanderausfluges läßt uns erahnen, was dieser Park alles zu bieten hat. Wir fahren durch wahrhaft beeindruckend schönes Gebiet und erreichen als bald einen Punkt, von dem man auch noch weiter zum Artist Point fahren könnte, aber da die Sonne tatsächlich verschmitzt durch die Wolken luschert, parken wir unseren Wagen und begeben uns zu Fuß auf den Weg. Nach kurzer Recherche wählen den South Rim Trail und als Ziel den sog. ja wie hieß er doch gleich… . Der Trail führt uns am Rande des Canyon entlang. Ein Auge in den Canyon, das andere immer fein auf den Weg. Geht nämlich tief hinab und da unten kommen die Rettungsfahrzeugen sicher nicht so einfach hin. Nach einiger Zeit erreichen wir den Abzweig zum Oncle Toms Trail.. In unserem Buch als etwas sehr schönes beschrieben, müssen wir feststellen, dass der Weg vom Winter noch nicht freigegeben wurde und sogar gesperrt war, obwohl der Blick auf die Wasserfälle von da unten sicher noch berauschender gewesen wäre. Ehrlich gesagt versuche ich dennoch den Weg zu beschreiten, werde aber vehement daran gehindert. Ein paar Meter weiter kann man den Canyon dann so hinab schauen, dass man Onkel Toms Wanderweg sehen kann.. Ein in Fels gehauener Hangelweg, der zu einer kleinen Plattform kurz vorm Wasserfall führt. Ich lasse es mir selbstredend nicht anmerken, dass ich ziemlich froh bin, den Wegwahlkampf verloren zu haben. Was ich natürlich trotzdem kann, drauf rumreiten und meinen: „Guck mal, sieht das cool aus. Schade, dass wir da nicht runter sind.“ Da wir nun aber noch gar nicht lang auf den Beinen sind, brauchen wir ein neues Ziel, also gehts die South Rim weiter in Richtung  Artist Point. Und immer wieder müssen wir anhalten, denn auch das rechte Auge möchte etwas von dem bunten Gestein des Canyons sehen.

 

Es sieht nur so aus, als wäre ich hier allein, aber am Artists Point scheint man nie allein
Es sieht nur so aus, als wäre ich hier allein, aber am Artists Point scheint man nie allein

Den Artists Point, der ja einen so wunderbaren Blick in den Canyon zeigen soll, hört man schon eine Weile, bevor man ihn überhaupt sieht. Da kann man, wir erinnern uns, ja mit Auto hinfahren, also ist es dort vorbei mit der Ruhe. Die Aussicht.. Na ja, in Anbetracht, dass wir nicht allein sind, kann ich es nicht wirklich genießen. Selbst Schuld.. Aber wir wären ja nicht wir, wenn wir ohne eine vernünftige Wanderkarte, nicht weitergehen würden. Nächster Stop ‚Point Sublime‘. Es wurden dann auch wieder rasch weniger Menschen und die Natur traute sich wieder näher an uns heran. Wunderbar.. Unser Ziel war dann allerdings wieder überraschend gefüllt mit Wanderern und das, wo der Weg dorthin nicht gerade einfach war. Die Tina und ich, insbesondere natürlich die Tina, mußten über Stock und Stein und große müde Bäume, die sich frech in den Weg gelegt hatten. Nach kurzem Verschnaufen, fassten wir den Entschluß, dass wir als Rückweg nicht den Weg wählen, der uns die letzten 3 Stunden begleitet hat. Wir beschlossen uns quer Feld ein durchzuschlagen und bogen bei der nächsten Möglichkeit ins waldige Hinterland ab.

Ja, wo lang nur?
Ja, wo lang nur?
Düster zieht es am Horizont herauf
Düster zieht es am Horizont herauf

Der Weg, wenn man ihn denn als solches bezeichnen möchte, führte uns durch dickes Unterholz, vorbei am Lily Pad Lake und hinein in den Regen. Aus heiterem Himmel besann sich das Wetter wieder darauf, dass man mir ganz schnell wieder die gute Laune vermiesen kann. Es begann wirklich unangenehm stark zu regnen und sogar zu hageln. Wir versuchten uns im Schutz der Bäume weiterzuschlagen, aber der Regen gewann schnell die Oberhand. Tina suchte verzweifelt nach ihrer Kapuze und mußte schnell feststellen, dass es nicht unbedingt klug ist, nur schwarze Jacken mitzunehmen, jedenfalls nicht, wenn sich darunter auch Jacken ohne Kapuze verstecken. Wir stoppten und versuchten uns unter den Ästen eines kargen Nadelbaumes in Sicherheit zu bringen. Mit mäßigem Erfolg.. So verharrten wir fast eine halbe Stunde, bis der Regen nachließ und wir weiter konnten.
Das schöne an der Natur, neben der reinen Schönheit an sich, ist die Fähigkeit zur Überraschung. Neben Regen hatten wir uns auf Wald und alles was dazu gehört eingestellt, aber vor uns tauchte unvermittelt eine dampfende, stinkende, weißgelbe Lichtung auf. Ein Schild mit der Aufschrift Danger will uns am Weitergehen hindern, aber wir wissen, wie ich auf solche Schilder reagiere. Wir befanden uns plötzlich in einem natürlichen Chemielabor. Der Boden spuckte Gase und giftige Chemikalien aus und die gesamte Lichtung bestand nur aus totem Wald, der nach und nach die Farben der Chemie annahm, die hier aus der Tiefe ausgekotzt wurde. Wir erkundeten die Lichtung und standen staunend vor kleinen blubbernden Löcher, die wahrscheinlich direkt in die Hölle mündeten. Ich besann mich auf eine wichtige Info über diesen Park. Beinahe der gesamte Park befindet sich auf einer wahnsinnig großen Magmablase (wie auch immer der Fachbegriff dafür ist, der mir grad nicht einfallen will), quasi einem Vulkan, der, sollte er ausbrechen, wirklich viel Staub aufwirbeln würde. Wir bewegen uns hier also auf ziemlich dünnem Eis.. Da der Gestank allerdings auch nicht gerade zum Verweilen einlädt, ziehen wir weiter. Wenige hundert Meter weiter erreichen wir den Clear Lake. Ein kleiner See, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht, sich bei genauem Hinsehen aber als Chemieklo entpuppt. Das Wasser leuchtet an einigen Stellen so wunderbar türkisblau, dass es sich hier nur um eine stark verseuchte Wasserpfütze handeln kann. Aber hey, schön anzusehen ist es allemal und ans Baden hat hier eh grad niemand gedacht.

Leuchtet so ein gesunder See?
Leuchtet so ein gesunder See?
Und stinken tun die Löcher auch noch
Und stinken tun die Löcher auch noch

Wir gehen weiter. Die Gegend wird offener, der Boden sieht saftig grün aus und fühlt sich morastig an. Der Weg, den wir eigentlich gar nicht mehr erkennen können, wird zunehmend unangenehmer, da der Boden so feucht ist, dass wir binnen kürzester Zeit nasse Füße haben. Nebenbei entdecken wir an den Bäumen Spuren der Bisons. Nahezu jeder Baum ist von den Bisons als Rückenkratzer missbraucht worden und im Bereich der Wurzeln findet man regelmäßig Reste des Bisongewandes. Es sieht aus wie Gewölle, also nicht unbedingt appetitlich und außerdem keimt die Frage. Wo sind die Dinger jetzt? Bisons können sich doch sicher nicht gut verstecken, aber außer den Spuren können wir keines erblicken. Nicht, dass das unser Wunsch gewesen wäre. Im Augenblick wünschen wir uns nur trockene Füße. Auf unserem weiteren Weg begegnen wir dann doch einem der natürlichen Bewohner. Gar nicht weit von uns entfernt grast ein Elch. Imposant.. Überrascht von diesem Anblick schaffe ich es nicht einmal ein Bild zu machen und der Elch denkt sich dann auch, paah.. dann kann ich auch gehen und entschwindet ins Dickicht. Wir waten weiter und erreichen gegen vier endlich unseren Parkplatz. Wandern und große Bewegung haben wir für heute jedenfalls abgehakt und wir haben ja noch das ein oder andere Problem zu lösen.

Wir fahren ins Canyon Village. Der Platzwart hatte zu uns gemeint, dass es hier einen Outdoorladen gäbe. Und siehe da, es gibt einen solchen Laden.. Wir parken den Wagen und stürmen den Laden. Nach kurzer Suche entdeckt Tina auch einen geeigneten Schlafsack, obwohl der Begriff Sack, der für eine Schlafgelegenheit ohnehin schon fragwürdig ist, hier nicht ganz zutrifft, denn man kann diesen Sack oben nicht zuziehen. Dennoch, das Ding ist bis Null Grad zugelassen und gekauft. Meine Laune, was das Zelten angeht, erhält neuen Schwung. Nachdem das erledigt ist, kaufen wir auch gleich noch fürs Abendessen und Frühstück ein. Der Park hat einen eigene Fleischerei.. Lecker lecker.. Im Korb landen äußerst lecker aussehenden Burgerpatties, Buns, Käse (der wirklich unerhört teuer ist) und Würstchen. Natürlich brauchen wir auch noch Holz und ein.. zwei Flaschen Bier. Beim Bier spielt man hier jedesmal russisch Roulette. Die Flaschen sehen alle toll aus, aber ob es schmeckt, weiß man erst am Abend. Diesmal landeten Flaschen einer Brauerei aus Jackson im Korb. Auf jeden Fall fühlen wir uns für den Abend und die Nacht gut gerüstet und brechen über 100$ (was noch weit von den unverschämten 360$ entfernt ist) ärmer zu unserem Zeltplatz auf.
Als wir Madison erreichen, bricht schon langsam die Dämmerung herein und mit ihr traut sich die Sonne durch die Wolken. Es ist wunderbar angenehm von der Temperatur her und ich freue mich regelrecht auf unser Zeltlager. Der Platz an sich stellt sich komplett anders dar, als unser letzter. Herrlich gelegen, direkt am Madison River und unter schützenden Bäumen, bekommen wir einen wunderbaren Platz am Rand des Campgrounds zugewiesen. Nachdem wir unser Lager aufgeschlagen haben, gehts erstmal auf Erkundungstour. Wir schlagen uns zum River durch und werden sogleich freundlich durch einen weiteren Bewohner des Platzes begrüßt. Auf dem Weg vor uns steht ein fettes Bison.. Die Gelassenheit dieser Kolosse ist einmalig. Man selber erstarrt kurzzeitig und das Ding.. Das Ding ist völlig unbeeindruckt und zieht gemächlich weiter. In diesem Fall allerdings in Richtung Zeltplatz.. Hmm.. Da wir in die andere Richtung wollen, stört uns das grad gar nicht.. Unten am Fluß keimt sehr schnell ein mir nicht allzu vertrautes Gefühl. Heißt, glaube ich, Romantik oder so.. Wie dem auch sei. Das seichte Sonnenlicht und das vor uns liegende Flußdelta versprühen wirklich ein sehr wohliges Gefühl.. Allerdings hält mich das Gefühl nicht lange bei Laune, denn ein kleiner Teufel in mir erinnert mich an den Einkauf und daran, dass ich gleich vom Hunger übermannt werde, also flink zurück zum Zelt. Kurz geprüft, ob das Bison sich noch in unserer Näher aufhält.. Negativ… Alles klar, dann kann die Grillsause ja starten. Das Bier geöffnet und das Feuer entfacht. Aber so einfach geht das gar nicht. Unsere Holzspalte waren zu groß für die Feuerstelle.. Und nu? Neben uns hat sich eine Familie niedergelassen und beim Aufbau habe ich mitbekommen, dass die eine kleine Axt besitzen. Da könnte man doch fragen.. Aber, was heißt Axt auf English? Ich also rüber und ein wenig rumgedruckst. 10 Kinderaugen und die beiden verdutzten Erwachsenen gucken mich an und mir fällt ein? Haben Sie etwas, womit man Holz kleiner machen kann? Jetzt blicken sich alle an, tuscheln und schauen dann wieder zu mir. ‚You mean an Axe?‘ fragen se mich.. Aha.. Axt heißt also Axe.. Hätte mir auch einfallen können. Ich bedanke mich demütig und mache Kleinholz fürs Feuer..

Vorfreude ist doch immer wieder die schönste Freude
Vorfreude ist doch immer wieder die schönste Freude
Und bei diesen Burgern völlig berechtigt
Und bei diesen Burgern völlig berechtigt

Die Burger waren wunderbar. Da ich aber noch nicht wirklich satt war, haben wir noch Würste aufs Feuer gehauen.. Die wiederum waren eklig. Die Verpackung hatte die Aufschrift ‚Italian Sausage‘, italienische Würste also. Klingt doch eigentlich gut oder nicht.. War es aber nicht. Die Würste schmeckten, als hätte man eine Pizza, ohne den Teig wohlgemerkt, in die Pelle gequetscht. Und für gute Pizza sind die Amerikaner nun nicht gerade bekannt.. Bäääh.. Ich erinnere mich an die Burger und versüße mir den Ekel mit dem halbwegs guten Bier.
Wohlgenährt und grundzufrieden machen wir uns über die Bilder der letzten Tage her und planen nebenher schon ein wenig den morgigen Tag. Da wir morgen keinen Wechsel unseres Wohnortes vor haben, gestaltet sich die Planung äußerst gelassen, denn es treibt uns ja nichts und ein richtiges Ziel haben wir auch nicht. Ich fühle mich richtig wohl und das Gesicht gegenüber bestärkt mich in diesem Gefühl.
Wie es aber immer so ist, bei unserem kleinen Spaziergang vorhin ist uns aufgefallen, dass es um halb zehn noch eine Veranstaltung in der Arena des Campgrounds zu besuchen gibt und so machen wir uns dann doch noch einmal auf. Die Sonne ist mittlerweile fast völlig verschwunden und man kann die Natur nur noch in Umrissen erahnen. Wir wählen einen Weg am Wasser entlang und kaum treten wir aus den Bäumen hervor, entdecken wir auf den Wiesen zum Fluss hinab eine Gruppe von drei Bisons. Die drei ziehen seelenruhig in Richtung Fluss. Ein wunderbares Bild, welches so nur von der besten Kamera der Welt eingefangen werden kann, dem Auge.. Wir stören die drei nicht und gehen weiter zur Arena (Amphietheater). Das besagte Programm besteht aus einem Diavortrag zu der uns umgebenen Natur, gehalten von einem Ranger. Sicher sehr interessant, aber nicht ganz das, was uns an Unterhaltung vorschwebte und außerdem beschleicht uns die Angst, dass wir dort sitzend auskühlen könnten. Wir ziehen also weiter zum Zelt und ich packe mich in meinen neuen Superschlafsack. Zusätzlich werde ich noch mit dem zweiten freien Schlafsack zugedeckt. Ich wehre mich nicht und freue mich auf eine warme und erholsame Nacht.

Gute Nacht.